Skip to main content
Aktualisiert · März 2026 7 Min. Lesezeit

Compliance-Checkliste für Erstimporteure aus China

Wichtige Compliance-Checkliste für Erstimporteure aus China: Dokumentation, Lizenzen, Zertifikate und Zollverfahren für eine reibungslose Abwicklung.

Lucas Arillotta
Lucas Arillotta Supply Chain Manager bei SINO Shipping
In diesem Leitfaden
  1. 01 Produktidentifizierung & HS-Code
  2. 02 Import-/Exportlizenzen sichern
  3. 03 Produktzertifikate einholen
  4. 04 Compliance-Dokumente einreichen
  5. 05 Fehler & Stolperfallen vermeiden
  6. 06 Import-Compliance-Checkliste
Die wichtigsten Inhalte des Artikels
  • Die korrekte HS-Code Klassifizierung ist entscheidend für Lizenz- und Zertifikatsanforderungen.
  • Fehlende oder falsche Compliance-Dokumente können die Zollabfertigung um bis zu 14 Tage verzögern.
  • Über 30 % der chinesischen Exporte benötigen Lizenzen oder Zertifikate – Anforderungen immer prüfen.
  • Bußgelder für Verstöße können bis zu RMB 500.000 betragen – sorgfältige Vorbereitung ist unerlässlich.

Erstimportierende stehen vor einer steilen Lernkurve, wenn sie Waren aus China einführen. Der chinesische Zoll reguliert über 8.000 HS-Code-Kategorien, und für mehr als 2.000 Produktarten sind Ausfuhrlizenzen des MOFCOM erforderlich. Ein kleiner Fehler kann hier gravierende Folgen haben. Bei fehlenden Lizenzen oder unvollständigen Dokumenten drohen Bußgelder bis zu RMB 500.000. Selbst bei korrekter Abwicklung dauert die Zollabfertigung im Schnitt 2–5 Tage. Unvollständige Unterlagen können diesen Prozess auf zwei Wochen oder länger ausdehnen. Diese Checkliste führt Sie Schritt für Schritt durch alle Compliance-Anforderungen, damit Sie teure Fehler vermeiden, die Zollabfertigung reibungslos verläuft und Ihre Ware pünktlich versendet wird.

Beginnen Sie mit der Produktidentifizierung und HS-Code-Klassifizierung

Bevor Sie sich mit Transportwegen oder Logistikpartnern beschäftigen, müssen Sie genau wissen, was Sie importieren. Es geht nicht nur um den Produktnamen – entscheidend ist der HS-Code, der sämtliche nachgelagerten Compliance-Vorgaben bestimmt.

HS-Code-Recherche

Der chinesische Zoll verwaltet über 8.000 HS-Code-Kategorien. Der HS-Code (Harmonisiertes System) ist der internationale Standard zur Klassifizierung von Handelswaren. Eine falsche Zuordnung kann dazu führen, dass Sie wichtige Vorschriften übersehen und Ihre Sendung sich verzögert. Wird beispielsweise ein Bluetooth-Lautsprecher falsch klassifiziert, könnten Sie die Pflicht zur FCC- oder CE-Zertifizierung übersehen.

So finden Sie den richtigen HS-Code:

  • Beginnen Sie mit der Produktbeschreibung Ihres Lieferanten.
  • Prüfen Sie die Zuordnung in der offiziellen chinesischen HS-Code-Datenbank oder fragen Sie einen lizenzierten Zollagenten.
  • Vergleichen Sie die Klassifizierung mit den Vorgaben des Bestimmungslandes und lesen Sie dazu unseren Leitfaden zum Zollabfertigungsprozess.

Prüfung auf beschränkte Waren

Nicht alle Waren werden gleich behandelt. Für mehr als 2.000 Produktarten ist eine Ausfuhrlizenz des MOFCOM erforderlich. Typische beschränkte Kategorien sind Elektronik, Chemikalien, Medizinprodukte und bestimmte Lebensmittel. So prüfen Sie, ob Ihr Produkt beschränkt ist:

  • Vergleichen Sie Ihren HS-Code mit der chinesischen Liste beschränkter Waren.
  • Details finden Sie in unserem Leitfaden zur Produktkonformität.
  • Im Zweifel wenden Sie sich an Ihren Spediteur oder einen Compliance-Berater.

Mehr dazu, wie HS-Codes Ihren Versandprozess beeinflussen, finden Sie in unserem Schritt-für-Schritt-Importleitfaden.

Sichern Sie die richtigen Import- und Exportlizenzen

Gerade bei Lizenzen machen viele Erstimporteure Fehler. Sowohl China als auch das Bestimmungsland können Genehmigungen verlangen – fehlt auch nur eine, bleibt Ihre Sendung stehen.

MOFCOM-Ausfuhrlizenz

Fällt Ihr Produkt unter eine beschränkte Kategorie, benötigen Sie vor dem Verlassen Chinas eine Ausfuhrlizenz des MOFCOM. Besonders relevant ist das für Medizinprodukte, Chemikalien, Pharmazeutika und bestimmte Lebensmittel.

  • Die Beantragung erfolgt über das Online-Portal des MOFCOM oder über Ihren Lieferanten.
  • Bearbeitungszeit: 3–7 Werktage für Standardwaren, für sensible Produkte länger.
  • Benötigte Unterlagen: Handelsrechnung, Packliste, HS-Code-Nachweis und entsprechende Konformitätszertifikate.

Ausführliche Informationen zu Lizenzarten und Antragsverfahren finden Sie in unserem Überblick zu chinesischen Import-/Exportlizenzen.

Importlizenz im Bestimmungsland

Viele Länder fordern für kontrollierte Waren eine Importlizenz. In den USA ist etwa eine FDA-Registrierung für Medizinprodukte Pflicht, in der EU eine CE-Kennzeichnung für Elektronik.

  • Prüfen Sie die Vorgaben Ihres Ziellandes in unseren länderbezogenen Versandratgebern.
  • Importlizenzen sind zwingend für Medizinprodukte, Chemikalien, Pharmazeutika und bestimmte Lebensmittel.
  • Fehlt eine erforderliche Importlizenz, drohen Beschlagnahme der Sendung oder Bußgelder bis zu RMB 500.000.

Alle erforderlichen Produktzertifikate einholen

Auch mit den richtigen Lizenzen kann Ihre Sendung ohne die passenden Produktzertifikate abgelehnt werden. Über die Hälfte aller Elektro- und Elektronikimporte benötigt CE-, FCC-, FDA- oder RoHS-Zertifikate – besonders für die EU und die USA.

CE, FCC, FDA, RoHS

Hier ein schneller Überblick nach Produkttyp und Bestimmungsland:

ProdukttypEU-AnforderungUS-AnforderungChina-Ausfuhrlizenz nötig?
ElektronikCE, RoHSFCCHäufig Ja
MedizinprodukteCE, MDRFDAJa
SpielwarenCE, EN71CPSIATeils
Lebensmittel & ZusätzeEU-VO 1169FDAJa
  • CE-, FCC-, FDA- und RoHS-Zertifikate sind für über 50 % aller Elektro- und Elektronikimporte aus China in die EU und die USA Pflicht.
  • Überprüfen Sie Zertifikate immer beim Aussteller und stellen Sie sicher, dass sie zum HS-Code Ihres Produkts passen.

Mehr zu Zertifizierungspflichten finden Sie in unserem Bereich zur Produktkonformität.

Vorschriften für Gefahrgut

Sie versenden Batterien, Chemikalien oder Sprühdosen? Gefahrgut benötigt spezielle Transportlizenzen und muss strikt nach IATA (Luftfracht) und IMDG (Seefracht) abgewickelt werden.

Alle Compliance-Dokumente vorbereiten und einreichen

Gerade bei der Dokumentation passieren selbst erfahrenen Importeuren Fehler. Die durchschnittlichen Kosten für die Erstellung von Compliance-Dokumenten liegen pro Sendung zwischen $300 und $800 – doch die Kosten für fehlende oder abgelaufene Unterlagen sind deutlich höher: Die Zollabfertigung kann sich um bis zu 14 Tage verzögern.

Dokumenten-Checkliste

Für die meisten Sendungen benötigen Sie folgende Unterlagen:

  • Handelsrechnung (mit passender Produktbeschreibung und HS-Code)
  • Packliste
  • Konnossement oder Luftfrachtbrief (AWB)
  • MOFCOM-Exportlizenz (falls erforderlich)
  • Importlizenz für das Zielland (falls erforderlich)
  • Produktzertifikate (z. B. CE, FCC, FDA, RoHS usw.)
  • Ursprungszeugnis (für Präferenzzollsätze – siehe Optimierung der Zollabgaben)
  • Gefahrgutdeklaration (falls zutreffend)

Eine vollständige Übersicht nach Transportart finden Sie in unseren Leitfäden zu Seefracht, Luftfracht, Bahnfracht und Expressversand.

Einreichung bei Zoll

  • Reichen Sie alle Dokumente frühzeitig ein – idealerweise 3–5 Tage vor Abfahrt des Schiffs oder Abflug.
  • Unvollständige oder abgelaufene Unterlagen können die Zollabfertigung um bis zu 14 Tage verzögern.
  • Bei komplexen Sendungen oder hochwertigen Waren empfiehlt sich ein lizenzierter Zollagent.

Weitere Informationen zu Abläufen und Fristen finden Sie in unserer Übersicht zum Zollabfertigungsprozess.

Typische Fehler und Stolperfallen vermeiden

Auch mit den besten Absichten machen gerade Erstimporteure oft die gleichen Fehler. Achten Sie auf Folgendes – und umgehen Sie unnötigen Ärger.

Fehler beim HS-Code

Die falsche Zuordnung der Ware zum HS-Code ist der häufigste Grund für Compliance-Probleme. Das kann dazu führen, dass erforderliche Lizenzen oder Zertifikate fehlen – mit Folge von Sendungsstopps und Bußgeldern.

  • Lassen Sie den HS-Code immer vom Lieferanten und einem Zollagenten prüfen.
  • Überprüfen Sie in unserem Incoterms-Leitfaden, ob die Lieferbedingungen zu Ihren Dokumenten passen.

Zertifikatslücken

Fehlende Zertifikate für das Zielland – etwa CE für die EU oder FDA für die USA – führen zu Verzögerungen oder Strafen.

  • Prüfen Sie für jede Sendung die Zertifizierungspflichten, besonders bei neuen Produkten oder Märkten.
  • Nutzen Sie unseren Leitfaden zu Zielländervorschriften für länderspezifische Anforderungen.

Dokumentationsprobleme

Unvollständige oder abgelaufene Dokumente sind ein häufiger (und teurer) Fehler.

Fazit: Ihre erste Import-Compliance-Checkliste

Eine strukturierte Compliance-Checkliste ist der beste Weg, um das Risiko von Verzögerungen, Bußgeldern und der Beschlagnahme von Sendungen beim Import aus China zu minimieren. Beginnen Sie mit der korrekten HS-Code-Klassifizierung, sichern Sie alle erforderlichen Lizenzen und Zertifikate und bereiten Sie die vollständigen Unterlagen für den Zoll vor. Bei komplexen Sendungen oder neuen Produktlinien empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem lizenzierten Zollagenten oder Compliance-Berater. Bereit, sicher zu importieren? Fordern Sie jetzt Ihr Angebot an und machen Sie Ihren ersten Import zum Erfolg.

ReferenzGlossar· 8 Begriffe

Suchen Sie einen Begriff oder springen Sie nach Buchstaben.

AWB
Air Waybill – Luftfrachtbrief, Transportdokument und Beförderungsnachweis zwischen Versender und Carrier.
CE
Conformité Européenne: EU-weites Pflichtkennzeichen für Produkte im EWR. In Japan nicht anerkannt – hier gelten PSE und TELEC als eigenständige Zulassungen.
CE-Kennzeichnung
CE-Kennzeichnung. Zeigt die Einhaltung der EU-Anforderungen an Sicherheit, Gesundheit und Umwelt bei Importen nach Deutschland.
FCC
Federal Communications Commission: US-Behörde für Funkgeräte. Eine FCC-Zulassung gilt nicht in Japan – TELEC/MIC-Zertifizierung ist dort Pflicht.
Incoterms
Internationale Handelsklauseln: Standardregeln (EXW, FOB, CIF, DDP etc.), die festlegen, wer zahlt, wer verzollt und ab wann das Risiko übergeht.
MDR
EU-Medizinprodukteverordnung (2017/745): Regelt Sicherheit und Konformität von Medizinprodukten für Einfuhren nach Frankreich.
RoHS
RoHS-Richtlinie (2011/65/EU). EU-Vorschrift, die gefährliche Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten bei Importen nach Portugal begrenzt.
Zoll
Deutscher Zoll. Zuständig für Einfuhr-/Ausfuhrabfertigung, Zollerhebung und Einhaltung von Handelsvorschriften.