In diesem Leitfaden
- DDP bedeutet, dass Verkäufer/Spediteur alle Zölle, Steuern und die Zollabwicklung übernimmt – der Käufer erhält die Ware ohne zusätzliche Kosten.
- Die Schweizer MWST beträgt 8,1% (Standardsatz) bzw. 2,6% (ermäßigt für Lebensmittel, Bücher, Medikamente).
- Die Schweiz ist NICHT in der EU – eigene Zollregeln gelten, inklusive e-dec elektronischem Zollsystem.
- Die De-minimis-Grenze liegt bei nur CHF 5 – praktisch alle gewerblichen Sendungen sind abgabepflichtig.
- DDP erhöht die Frachtkosten um 3-8%, beseitigt aber Überraschungen und vereinfacht die Zollabwicklung für den Käufer.
Lucas Arillotta · Supply Chain Manager at SINO Shipping · Was bedeutet DDP-Versand?
DDP (Delivered Duty Paid) ist ein Incoterm, bei dem der Verkäufer/Versender die volle Verantwortung für die Lieferung der Ware bis zur Haustür des Käufers übernimmt – inklusive aller Transporte, Zollabfertigung, Einfuhrabgaben und Steuern. Der Käufer zahlt bei Lieferung keine zusätzlichen Kosten.
Beim Versand von China in die Schweiz bedeutet DDP, dass Ihr Spediteur Folgendes übernimmt:
- Den gesamten Transport (See-, Luft- oder Schienentransport ab China)
- Schweizer Zollabfertigung über das e-dec-System
- Einfuhrzölle und Schweizer Mehrwertsteuer (MWST)
- Zustellung bis zur Adresse des Käufers
| Incoterm | Wer zahlt Zölle/MWST? | Wer erledigt die Zollabfertigung? | Käuferrisiko |
|---|---|---|---|
| DDP | Verkäufer/Versender | Verkäufer/Spediteur | Kein Risiko – alles inklusive |
| DAP | Käufer | Käufer | Mittel – muss Zoll abwickeln |
| FOB | Käufer | Käufer | Hoch – übernimmt ab Hafen alles |
| EXW | Käufer | Käufer | Sehr hoch – übernimmt ab Werk alles |
Einen vollständigen Vergleich finden Sie in unserem Incoterms-Leitfaden.
Schweizer Einfuhrzölle und MWST
Die Schweiz hat ein eigenes Zollsystem und ist nicht Teil der EU-Zollunion. Wichtige Sätze:
MWST (Mehrwertsteuer)
| Satz | Gilt für | Beispiele |
|---|---|---|
| 8,1% | Normalsatz | Elektronik, Kleidung, Maschinen, die meisten Waren |
| 2,6% | Reduzierter Satz | Lebensmittel, Bücher, Medikamente, Zeitungen |
| 0% | Befreit | Exporte, bestimmte Dienstleistungen |
Die MWST wird berechnet auf: CIF-Wert + Zoll + sonstige Gebühren.
Einfuhrzölle
Die Schweizer Zollsätze sind im Vergleich zur EU niedrig:
- Die meisten Industriegüter: 0-5% (viele dank bilateraler Abkommen bei 0%)
- Textilien/Bekleidung: 0-8%
- Agrarprodukte: höher, oft spezifische Zölle (pro kg)
- Elektronik: meist 0%
Geringfügigkeitsgrenze (de minimis)
Die Schweizer de-minimis-Grenze ist extrem niedrig: CHF 5 für Zölle. Das bedeutet, dass praktisch alle gewerblichen Sendungen zollpflichtig sind (auch wenn viele Industriegüter 0% Zoll haben).
Für die MWST gibt es keine Geringfügigkeitsgrenze – sie fällt auf alle gewerblichen Einfuhren an.
Wann ist DDP für die Schweiz sinnvoll?
DDP eignet sich besonders, wenn:
- B2C E-Commerce – Endkunden erwarten keine Zusatzkosten bei Lieferung
- Amazon-/Marktplatzverkäufe – Plattformen verlangen einen Gesamtpreis inkl. aller Kosten
- Erstkunden – vereinfacht den Prozess, schafft Vertrauen
- Hochwertige Güter – kalkulierbare Gesamtkosten, keine Zollüberraschungen
- Regelmäßige Sendungen – Ihr Spediteur kennt den Ablauf, stabile Preise
DAP kann besser sein, wenn:
- B2B-Kunde hat eigenen Zollagenten – möchte den Prozess selbst steuern
- Kunde zieht MWST als Vorsteuer ab – muss Importeur sein
- Komplexe Güter (Chemie, Lebensmittel, Medizin) – Käufer kennt lokale Vorschriften besser
- Sehr große Sendungen – Käufer erzielt evtl. bessere Zollsätze mit eigenem Agenten
DDP-Kostenübersicht: China – Schweiz
Das kommt bei DDP typischerweise zur Sendung dazu:
| Kostenfaktor | Typischer Bereich | Hinweise |
|---|---|---|
| Fracht (See/Luft ab China) | $1.500–$4.000 (FCL) oder $4–7/kg (Luft) | Wie bei DAP |
| Schweizer Zollabwicklung | CHF 50–150 | e-dec-Anmeldung, Dokumente |
| Einfuhrzölle | 0–5% des CIF-Werts | Die meisten Industriegüter 0% |
| Schweizer MWST (8,1%) | 8,1% von (CIF + Zoll) | Fällt immer an |
| DDP-Servicegebühr | CHF 30–80 | Aufwand Spediteur für DDP |
| Zustellung letzte Meile | CHF 50–200 | Je nach Ort und Gewicht |
Beispiel: 500kg Elektronik, CIF-Wert CHF 15.000
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Luftfracht China → Zürich | CHF 3.500 |
| Zoll (0% Elektronik) | CHF 0 |
| Schweizer MWST (8,1% auf CHF 15.000) | CHF 1.215 |
| Zollabwicklung | CHF 100 |
| DDP-Servicegebühr | CHF 50 |
| Zustellung letzte Meile | CHF 120 |
| Gesamtkosten DDP | CHF 4.985 |
| Gesamt (Ware + DDP) | CHF 19.985 |
Schritt-für-Schritt: DDP-Prozess
- Ware verlässt China – Ihr Spediteur bucht die Fracht (See, Luft oder Schiene)
- Transport in die Schweiz – Sendungsverfolgung während des gesamten Transports
- Ankunft an der Schweizer Grenze – Spediteur meldet elektronisch via e-dec beim Zoll an
- Zoll + MWST werden berechnet – nach HS-Code, Ursprung und CIF-Wert
- Spediteur zahlt Zoll/MWST – in Ihrem Auftrag (vorausbezahlt oder abgerechnet)
- Zollabfertigung – Freigabe der Ware (1–3 Tage bei Standardsendungen)
- Zustellung letzte Meile – bis zur Haustür des Käufers in der Schweiz
- Käufer erhält Ware – keine Zusatzkosten, keine Zollformalitäten
Typische Fehler beim DDP-Versand in die Schweiz
-
Vergessen, dass die Schweiz nicht zur EU gehört – Eine EU-Zollabfertigung deckt die Schweiz NICHT ab. Auch bei Transit über Rotterdam oder Hamburg ist eine separate Schweizer Verzollung nötig.
-
Falscher HS-Code – führt zu fehlerhafter Zollberechnung. Die Schweiz nutzt den eigenen Zolltarif (Tares), der sich vom EU-Code unterscheiden kann.
-
Waren zu niedrig bewerten – Der Schweizer Zoll prüft die deklarierten Werte. Unterbewertung führt zu Prüfungen und Strafen.
-
Kein e-dec nutzen – Alle Schweizer Zollanmeldungen müssen über das e-dec elektronische System laufen. Papierformulare sind für gewerbliche Sendungen nicht zulässig.
-
Ursprungsnachweise ignorieren – Die Schweiz hat Freihandelsabkommen, die Zölle senken können. Fordern Sie ggf. ein Ursprungszeugnis vom chinesischen Lieferanten an.
Fazit
Beim DDP-Versand von China in die Schweiz übernimmt Ihr Spediteur sämtliche Zollformalitäten – inklusive Verzollung, Einfuhrabgaben und Mehrwertsteuer. Die Schweizer Zölle sind meist niedrig (0–5 % für Industriegüter), allerdings fällt immer die Mehrwertsteuer von 8,1 % an. Für E-Commerce und B2C-Sendungen ist DDP fast immer die beste Wahl. Bei B2B-Geschäften mit erfahrenen Einkäufern kann DAP mehr Flexibilität bieten.
Sie benötigen ein DDP-Angebot für die Schweiz? Kontaktieren Sie SINO Shipping – wir kümmern uns um Ihre Fracht von China in die Schweiz, inklusive Zollabwicklung und Haus-zu-Haus-Lieferung.
ReferenzGlossar· 16 Begriffe
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- B2B
- Business to Business – der Käufer ist ein Unternehmen (z. B. Importeur), das die Verzollung und Übernahme selbst organisiert; DAP passt oft, wenn der Käufer einen eigenen Broker hat.
- B2C
- Business to Consumer – der Käufer ist Endkunde; DDP eignet sich, wenn der Verkäufer als IOR auftritt und Steuern/Zölle vorstreckt, sonst werden diese meist bei Zustellung kassiert.
- CIF
- Cost, Insurance and Freight – nur für See- und Binnenschiff; Verkäufer zahlt Fracht und Mindestversicherung (meist ICC C) bis zum benannten Hafen, Käufer verzollt und zahlt Abgaben; Risikoübergang an Bord des Schiffs.
- clearance
- Zollabfertigung – Vorlage der Ware und Dokumente beim Zoll und Einholung der Freigabe für Ein- oder Ausfuhr; bei EXW und FOB ist entscheidend, wer die Ausfuhranmeldung übernimmt.
- DAP
- Delivered At Place: Verkäufer liefert bis zum benannten Ort (z.B. Lager des Käufers) und entlädt, Importabfertigung, Zoll und Verbrauchssteuer übernimmt der Käufer, IOR ist der Empfänger.
- DDP
- Delivered Duty Paid: Verkäufer trägt alle Kosten bis zur Tür des Käufers inkl. Abfertigung, Zoll und Verbrauchssteuer; echtes DDP heißt, der Empfänger zahlt bei Lieferung nichts mehr.
- duty
- Einfuhrzoll: Steuer, die vom Zoll auf importierte Waren erhoben wird – Bemessung nach HS-Code, Warenwert und Ursprungsland.
- e-dec
- Elektronisches Zollabwicklungssystem – Schweizer Online-Plattform für die Einreichung von Ein- und Ausfuhranmeldungen.
- EXW
- Ex Works: Der Verkäufer stellt die Ware an seinem Standort bereit; der Käufer organisiert Abholung, Ausfuhr, Hauptlauf und alles Weitere. Risikoübergang am Werkstor – frühester Incoterm.
- FCL
- Full Container Load: Sie buchen einen kompletten Container (z. B. 20GP oder 40HC); nur Ihre Ware wird verladen.
- FOB
- Free On Board: Verkäufer liefert bis an Bord des Schiffs und erledigt Ausfuhr; Käufer organisiert Hauptlauf und Import ab Schiffsreling. Risikoübergang beim Laden aufs Schiff. Nur für Seefracht – bei Luftfracht FCA nutzen. Bei Containern ist der „On Board“-Zeitpunkt oft unklar; FCA (CY/CFS) ist transparenter.
- Incoterms
- Internationale Handelsklauseln: Standardregeln (EXW, FOB, CIF, DDP etc.), die festlegen, wer zahlt, wer verzollt und ab wann das Risiko übergeht.
- Mehrwertsteuer
- Mehrwertsteuer. Synonym für Umsatzsteuer, in Deutschland gebräuchlich.
- MWST
- Mehrwertsteuer – Schweizer Umsatzsteuer, die auf die meisten Importwaren erhoben wird.
- SST
- Sales and Service Tax – Malaysias indirekte Steuer auf importierte Waren und Dienstleistungen, seit 2018 Nachfolger der GST.
- Zoll
- Deutscher Zoll. Zuständig für Einfuhr-/Ausfuhrabfertigung, Zollerhebung und Einhaltung von Handelsvorschriften.
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