Skip to main content
Aktualisiert · Oktober 2026 13 Min. Lesezeit EXW vs FOB

EXW vs FOB für Importe von China nach Belgien (Incoterms, Zoll und Compliance für belgische Einkäufer erklärt)

Erfahren Sie die echten Unterschiede zwischen EXW und FOB für Importe von China nach Belgien. Praktische Tipps zu belgischem Zoll, EORI, ISPM-15, Mehrwertsteuer und Risikoverteilung.

Lucas Arillotta
Lucas Arillotta Supply Chain Manager bei SINO Shipping
Belgien Versandangebot anfordern

Kostenloses Angebot · Unverbindlich

China EXW vs FOB
world map
Seefracht
$2,070–$2,530
Luftfracht
$3.95/kg
Seetransit
25–26 Tage
Lufttransit
5–7 Tage
In diesem Leitfaden
  1. 01 EXW vs FOB: Bedeutung
  2. 02 Exportabwicklung China/Belgien
  3. 03 Kostenaufteilung China–Belgien
  4. 04 Risikoübergang bei Importen
  5. 05 Belgien-Import: EORI, ISPM-15, C
  6. 06 Incoterm-Optionen China–Belgien
  7. 07 Fehler belgischer Importeure
  8. 08 EXW vs FOB: Fazit Belgien
Die wichtigsten Inhalte des Artikels
  • EORI-Registrierung ist für alle Importeure in Belgien Pflicht und dauert 1-5 Werktage.
  • ISPM-15 Behandlung ist für Holzverpackungen aus China beim Import nach Belgien vorgeschrieben.
  • Die belgische Mehrwertsteuer (BTW/TVA) beträgt 21% und wird beim Import erhoben; Anti-Dumping-Abgaben sind möglich.
  • Vorabmeldung über ICS2 (ENS) ist vor Ankunft in Belgien erforderlich.
Lucas Arillotta Lucas Arillotta · Supply Chain Manager at SINO Shipping ·

Der Versand von China nach Belgien klingt auf dem Papier unkompliziert – doch Ihre Wahl zwischen EXW und FOB kann alles verändern: Von der Organisation der Exportformalitäten in China bis hin zur Behandlung Ihrer Ware durch den belgischen Zoll. Der gewählte Incoterm entscheidet nicht nur über die Kosten, sondern auch über Compliance-Aufwand, Risikoverlagerung und Ihre Fähigkeit, Verzögerungen in Antwerpen, Zeebrugge oder am Flughafen Brüssel zu vermeiden. Dieser Leitfaden richtet sich an belgische Importeure, die klare Antworten suchen: Wer zahlt was, wann geht das Risiko über und warum EXW oft problematisch ist, wenn Sie die China-Seite nicht selbst abdecken können. Wir beleuchten den belgischen Zoll (PLDA, ICS2), Mehrwertsteuer, Anti-Dumping, EORI-Registrierung sowie praxisnahe Tipps für die Besonderheiten belgischer Transportwege und Anforderungen. Für einen umfassenderen Überblick zu Transportart, Compliance und Zustellung empfehlen wir den kompletten Belgien-Versandratgeber.

EXW vs FOB: Was bedeuten diese Begriffe wirklich? (Importgrundlagen Belgien)

Die Entscheidung für EXW oder FOB ist weit mehr als reine Formsache. Für belgische Einkäufer geht es darum, genau zu wissen, ab wann Verantwortung und Kosten bei ihnen liegen. Hier erfahren Sie, was die beiden Incoterms für Ihren China→Belgien-Transport tatsächlich bedeuten.

EXW (Ab Werk) erklärt

Bei EXW beschränkt sich die Verpflichtung des Verkäufers darauf, die Ware an seinem Standort – meist Fabrik oder Lager in China – bereitzustellen. Ab diesem Moment sind Sie als Käufer für alles zuständig: Abholung, Lkw-Transport zum Hafen, Exportabfertigung, Hauptlauf und sämtliche Kosten in Belgien. Die Übergabe erfolgt am Werkstor. EXW ist der käuferfreundlichste Incoterm und wirkt oft günstig im Angebot, doch jeder weitere Schritt liegt bei Ihnen – inklusive der komplexen und zeitintensiven Exportabwicklung in China.

Für belgische Importeure klingt EXW verlockend, wenn Sie volle Kontrolle wünschen oder ein eigenes Team in China haben. Ohne Erfahrung mit Exportzoll, lokaler Logistik und Compliance kann EXW jedoch schnell zu Verzögerungen und unerwarteten Kosten führen. Viele belgische KMU unterschätzen die Komplexität der Abwicklung auf chinesischer Seite.

FOB (Frei an Bord) erklärt

FOB verlagert mehr Verantwortung auf den Verkäufer. Hier organisiert der Lieferant den Transport zum benannten chinesischen Hafen (z. B. Shanghai oder Shenzhen), erledigt die Exportabfertigung und sorgt für die Verladung auf das Schiff. Ihre Verantwortung beginnt, sobald die Ware an Bord ist. Das ist der gängigste Incoterm für Seefracht nach Belgien, vor allem für Sendungen nach Antwerpen oder Zeebrugge.

Mit FOB wird es für belgische Käufer einfacher: Der Verkäufer übernimmt die komplexen Formalitäten und die Logistik in China, während Sie sich um Hauptlauf, Importabfertigung, Mehrwertsteuer und Zustellung kümmern. Die belgische Compliance bleibt Ihre Aufgabe, aber Sie vermeiden Risiken durch unvollständige Exportpapiere in China. Einen ausführlichen Vergleich weiterer Incoterms finden Sie unter FCA vs FOB und Tür-zu-Tür vs Hafen-zu-Hafen.

Wer ist wofür zuständig? — Übersicht

Zuständigkeit EXW FOB CIF DDP
Ausfuhrabfertigung (China) Käufer Verkäufer Verkäufer Verkäufer
Frachtbuchung Käufer Käufer Verkäufer Verkäufer
Haupttransportkosten Käufer Käufer Verkäufer Verkäufer
Transportversicherung Käufer Käufer Seller (min.) Verkäufer
Einfuhrabfertigung (Belgien) Käufer Käufer Käufer Verkäufer
Zölle & Einfuhrumsatzsteuer Käufer Käufer Käufer Verkäufer
Inlandszustellung Käufer Käufer Käufer Verkäufer
Risikoübertragung bei Werkstor Schiffsreling Zielhafen Beim Käufer

Wichtig: EXW bedeutet, dass der Käufer ab Werk für die gesamte Logistikkette verantwortlich ist. Bei FOB liefert der Verkäufer bis zum Hafen und übernimmt die Exportzollabwicklung.

Exportabwicklung: Wer übernimmt was in China und Belgien? (PLDA- & ICS2-Anforderungen)

Die Exportabwicklung ist kein bloßer Formalakt – sie ist gesetzliche Pflicht in China und Belgien. Fehler führen schnell zu tagelangen Verzögerungen Ihrer Sendung.

Wer erledigt die Exportzollabfertigung bei EXW und FOB?

Bei EXW liegt die komplette Verantwortung für die Exportzollabfertigung in China bei Ihnen. Der Verkäufer muss keine Exportdokumente, Lizenzen oder Zollanmeldungen bereitstellen. Ohne zuverlässigen lokalen Agenten oder Spediteur kann Ihre Ware am Werk oder Hafen steckenbleiben.

FOB ist sicherer: Der Verkäufer muss die chinesische Exportzollabwicklung übernehmen und alle erforderlichen Unterlagen liefern – dazu gehören Exportlizenzen, Zollanmeldungen und lokale Compliance. Das ist besonders für belgische Käufer wichtig, die kein eigenes Team in China haben.

Praxisfalle: Viele belgische Importeure gehen davon aus, dass ihr Lieferant die Exportabwicklung bei EXW übernimmt. Tatsächlich ist der Verkäufer dazu aber nur verpflichtet, wenn es explizit im Vertrag steht. Das ist eine der häufigsten Ursachen für Verzögerungen und Streitfälle.

PLDA und ICS2: Wichtige Importmeldungen für Belgien

In Belgien läuft jede Importanmeldung über das PLDA (Paperless Customs & Excise)-System. Jede Sendung muss elektronisch via PLDA deklariert werden. Zusätzlich ist eine Voranmeldung über ICS2 (Import Control System 2) mit einer ENS (Entry Summary Declaration) vor Ankunft Pflicht. Fehlende ENS-Meldungen führen zu Bußgeldern, Inspektionen und Verzögerungen bei der Abfertigung.

EORI-Registrierung ist für alle Importeure zwingend – unabhängig vom Incoterm. Ohne EORI-Nummer bearbeitet der belgische Zoll keine Importanmeldung. Die Bearbeitungszeit beträgt 1–5 Werktage und ist kostenfrei, aber fehlende Registrierung kann Ihre Sendung in Antwerpen oder Zeebrugge aufhalten.

Eine praxisnahe Übersicht zu den belgischen Zollverfahren finden Sie in unserem PLDA-Zollabfertigungsratgeber.

Warum EXW für belgische Käufer oft problematisch ist

EXW klingt einfach – bis Sie feststellen, dass Sie für die chinesische Exportabwicklung, den lokalen Transport und die Zollpapiere selbst sorgen müssen. Ohne erfahrenen Agenten vor Ort bleibt Ihre Ware schnell liegen, verpasst Abfahrten und verursacht Lagerkosten. Viele belgische Käufer unterschätzen die Komplexität des chinesischen Exportprozesses, insbesondere bei kleinen Lieferanten oder Fabriken ohne EU-Erfahrung.

Risiken bei der Exportabwicklung unter EXW
  • Der Verkäufer ist bei EXW rechtlich nicht verpflichtet, die Exportzollabwicklung zu übernehmen.
  • Fehlende Exportpapiere führen zu Verzögerungen im Hafen, verpassten Abfahrten und Zusatzkosten.
  • Belgische Importeure müssen die gesamte Logistik in China organisieren – ohne lokale Unterstützung oft schwierig.
  • ICS2-Meldung und EORI-Registrierung sind unabhängig vom Incoterm Pflicht.

Wichtig: Für alle Sendungen nach Belgien ist die Voranmeldung über ICS2 (ENS) vorgeschrieben und die EORI-Registrierung Voraussetzung für die Importabfertigung.

Kostenaufteilung: Wer zahlt was von China nach Belgien? (Incoterms in der Praxis)

Die Wahl zwischen EXW und FOB beeinflusst Ihre Kostenstruktur – nicht nur in China, sondern bis zu Ihrem Lager in Belgien. So setzen sich die Kosten im Detail zusammen.

Kostenübersicht: Fabrik in China → Ihre Tür in Belgien

Hier sehen Sie Schritt für Schritt, wer für welche Kosten verantwortlich ist:

SchrittEXWFOB
Abholung ab WerkKäuferVerkäufer
Inlandstransport zum HafenKäuferVerkäufer
AusfuhrzollabfertigungKäuferVerkäufer
Hafenabfertigung (China)KäuferVerkäufer
SeefrachtKäuferKäufer
Hafenabfertigung (Belgien)KäuferKäufer
EinfuhrzollabfertigungKäuferKäufer
MwSt., Zölle, AntidumpingKäuferKäufer
Zustellung letzte MeileKäuferKäufer

Für detaillierte Kostenvergleiche zwischen See- und Luftfracht siehe Wahl des Transportmodus und Seefracht FCL vs LCL.

EXW-Kostenverantwortung (China→Belgien)

Bei EXW tragen Sie die Kosten für:

  • Abholung ab Werk
  • Inlandstransport zum Hafen
  • Ausfuhrabfertigung (China)
  • Hafenumschlagsgebühren (China)
  • Hauptlauf (See, Luft, Bahn)
  • Belgischer Hafenumschlag (THC, Entladung)
  • Einfuhrzollabfertigung (PLDA)
  • MwSt. (BTW/TVA) in Höhe von 21%
  • Antidumpingzölle (falls zutreffend)
  • Zustellung bis zu Ihrem Lager

Sie müssen außerdem alle erforderlichen Konformitätsdokumente organisieren, darunter ISPM-15 für Holzverpackungen und CE-Kennzeichnung für regulierte Produkte.

FOB-Kostenverantwortung (China→Belgien)

FOB verlagert die Kosten auf der Ursprungsseite auf den Verkäufer:

  • Der Verkäufer übernimmt Lkw-Transport zum Hafen, Ausfuhrabfertigung und Hafenumschlag in China
  • Sie zahlen für Hauptlauf, belgischen Hafenumschlag, Einfuhrabfertigung, MwSt., Antidumpingzölle und Zustellung

FOB vereinfacht den Prozess auf chinesischer Seite, dennoch müssen Sie die belgische Konformität und Logistik selbst steuern. Für Alternativen wie DDP und DAP siehe DAP vs DDP und DDP Versand nach Belgien.

MwSt., Zölle und Antidumping: Belgische Importkosten

Die belgische MwSt. (BTW/TVA) wird bei der Einfuhr erhoben – der Standardsatz beträgt 21%. Für bestimmte Waren gelten reduzierte Sätze (z. B. 6% für Bücher, Medikamente). Die MwSt. wird auf den CIF-Wert zuzüglich Zölle berechnet.

Antidumpingzölle gelten für bestimmte Waren chinesischen Ursprungs nach EU-Recht. Diese können je nach Produktkategorie zwischen 10% und 50% liegen. Prüfen Sie vor Versand stets die EU Market Access Database.

Eine vollständige Übersicht zu belgischen Einfuhrabgaben und Steuern finden Sie im Leitfaden zu Zöllen und Steuern.

Wichtig: Die belgische MwSt. (21%) wird bei der Einfuhr fällig, Antidumpingzölle betreffen bestimmte chinesische Waren.

Risikoübergang: Wann wechselt die Verantwortung? (EU-Zollperspektive)

Incoterms regeln nicht nur, wer zahlt, sondern auch, wann das Risiko vom Verkäufer auf den Käufer übergeht. Das ist entscheidend für Versicherung, Schadensfälle und Compliance.

EXW: Risiko ab Werkstor

Bei EXW geht das Risiko auf Sie über, sobald die Ware auf dem Gelände des Verkäufers bereitgestellt wird. Schäden, Verlust oder Verzögerungen bei Abholung, Inlandstransport oder Ausfuhrabfertigung liegen in Ihrer Verantwortung.

Belgische Käufer sollten eine Transportversicherung ab Werk abschließen und den Versicherungsschutz für Risiken auf der Ursprungsseite prüfen. Hinweise dazu finden Sie im Leitfaden zur Transportversicherung Belgien.

FOB: Risiko an der Schiffsreling

Bei FOB wechselt das Risiko, sobald die Ware am benannten Hafen in China auf das Schiff verladen wurde. Der Verkäufer ist bis zur Verladung (inklusive Ausfuhrabfertigung und Hafenumschlag) verantwortlich. Sobald die Ware die Schiffsreling passiert, tragen Sie das Risiko.

Das macht FOB für belgische Importeure sicherer – besonders, wenn wenig Erfahrung mit Logistik in China besteht. Für Luftfracht gilt als Äquivalent der Begriff FCA – siehe FCA vs FOB.

EU-Import-Risikofaktoren

Belgien setzt die EU-Zollvorschriften streng um. Typische Risikofaktoren sind:

  • Falsche HS-Codes (führen zu Prüfungen)
  • Wertabweichungen (können Nachberechnungen auslösen)
  • Nichtbeachtung von ISPM-15 und CE-Kennzeichnung
  • Versäumnis der ENS-Anmeldung (ICS2) vor Ankunft

Wer ist wofür zuständig? — Übersicht

Zuständigkeit EXW FOB CIF DDP
Ausfuhrabfertigung (China) Käufer Verkäufer Verkäufer Verkäufer
Frachtbuchung Käufer Käufer Verkäufer Verkäufer
Haupttransportkosten Käufer Käufer Verkäufer Verkäufer
Transportversicherung Käufer Käufer Seller (min.) Verkäufer
Einfuhrabfertigung (Belgien) Käufer Käufer Käufer Verkäufer
Zölle & Einfuhrumsatzsteuer Käufer Käufer Käufer Verkäufer
Inlandszustellung Käufer Käufer Käufer Verkäufer
Risikoübertragung bei Werkstor Schiffsreling Zielhafen Beim Käufer

Wichtig: Bei EXW geht das Risiko am Werk des Verkäufers über; bei FOB nach dem Verladen auf das Schiff.

Belgien-spezifische Importvorgaben: EORI, ISPM-15 und CE-Kennzeichnung (Was Sie wissen müssen)

Belgische Importeure müssen einige verbindliche Anforderungen erfüllen – unabhängig vom Incoterm. Versäumnisse führen zu Verzögerungen oder Blockaden Ihrer Sendung.

EORI-Registrierung: Wer braucht sie?

Jeder Importeur benötigt eine EORI (Economic Operators Registration and Identification)-Nummer. Ohne EORI bearbeitet der belgische Zoll Ihre Anmeldung im PLDA nicht. Die Registrierung ist kostenlos und dauert 1-5 Werktage, muss aber vor Ankunft der Ware abgeschlossen sein.

Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung finden Sie unter EORI-Anforderungen Belgien.

ISPM-15 für Holzverpackungen

Alle Holzverpackungen aus China müssen ISPM-15 behandelt sein – Hitzebehandlung oder Begasung, mit entsprechender Markierung. Nicht-konforme Paletten werden vom belgischen Zoll abgewiesen. Die Kosten für ISPM-15-Compliance liegen meist bei €200-€500 pro Sendung.

Der Standard für Paletten in Belgien ist EUR/EPAL 800x1200mm. Manche automatisierte Lager verlangen exakte EPAL-Spezifikationen. Weitere Infos zu Palettenstandards und Risiken finden Sie im Leitfaden EUR/EPAL-Paletten.

CE-Kennzeichnung und Produktzertifikate

Die meisten regulierten Produkte benötigen die CE-Kennzeichnung für die Einfuhr nach Belgien. Das betrifft u.a. Elektronik, Spielzeug, Medizinprodukte und mehr. Die Zertifizierungskosten liegen für Elektronik meist zwischen €2.000 und €15.000, für Medizinprodukte bis zu €100.000.

Weitere verpflichtende Zertifikate sind:

  • REACH für Chemikalien (ECHA-Registrierung)
  • RoHS für gefährliche Stoffe in Elektronik
  • EU-Lebensmittelsicherheitsverordnung für Lebensmittel und Getränke
  • ISPM-15 für Holzverpackungen

Eine vollständige Checkliste finden Sie im Leitfaden CE-Kennzeichnung, REACH, RoHS.

Wichtig: Die EORI-Registrierung ist für alle Importeure Pflicht, und ISPM-15-Behandlung ist für Holzverpackungen aus China zwingend erforderlich.

Welche Option ist die richtige für China→Belgien? (So treffen Sie die passende Incoterm-Entscheidung)

Die Wahl zwischen EXW und FOB ist nicht nur eine Preisfrage – sie hängt davon ab, wie gut Sie Export, Compliance und Risiken steuern können. So treffen Sie die richtige Entscheidung für Belgien.

Wann EXW für belgische Importeure sinnvoll ist

EXW kommt in Frage, wenn:

  • Sie einen zuverlässigen Logistikpartner oder ein eigenes Büro in China haben
  • Sie Exportabwicklung, Lkw-Transport und Hafenumschlag selbst organisieren können
  • Ihr Lieferant kooperativ ist und alle nötigen Dokumente bereitstellt (auch wenn nicht verpflichtet)
  • Sie die volle Kontrolle über die Lieferkette und die Kostenoptimierung wünschen

EXW kann für größere belgische Importeure mit eigenen Strukturen in China Kosten sparen. Für die meisten KMU überwiegen jedoch die Risiken die Vorteile.

Wann FOB sicherer ist

FOB ist für belgische Importeure in der Regel die sicherere Wahl:

  • Der Verkäufer übernimmt Exportabwicklung und die Logistik am Ursprungsort
  • Sie vermeiden das Risiko fehlender Ausfuhrdokumente oder Lizenzen
  • Die Verantwortung beginnt an Bord des Schiffes – das vereinfacht Versicherung und Compliance
  • Weniger Gefahr von Verzögerungen oder Streitigkeiten auf der China-Seite

FOB ist der Standard für Seefracht nach Belgien. Bei Bahn- oder Luftfracht empfiehlt sich FCA oder eine andere Klausel. Ausführliche Infos finden Sie unter Wahl des Transportmodus und beste Routen nach Belgien.

Wichtige Fragen an Ihren Lieferanten

Vor der endgültigen Incoterm-Festlegung sollten Sie fragen:

  • Können Sie unter EXW alle Exportdokumente bereitstellen?
  • Welcher chinesische Hafen ist bei FOB benannt?
  • Sind Ihre Paletten ISPM-15-konform?
  • Haben Sie für alle regulierten Produkte die CE-Kennzeichnung?
  • Unterstützen Sie die ICS2 (ENS)-Meldung bei Bedarf?

Häufige Fehler belgischer Importeure (und wie Sie diese vermeiden)

Selbst erfahrene Importeure machen Fehler, die zu teuren Verzögerungen führen können. Hier die häufigsten Stolperfallen für Belgien – und wie Sie sie vermeiden.

EORI-Registrierung überspringen

Ohne rechtzeitige EORI-Registrierung kann Ihre Sendung nicht beim belgischen Zoll abgefertigt werden. Gerade Ersteinführer übersehen das oft. Melden Sie sich mindestens eine Woche vor Ankunft der Ware an.

Nicht-ISPM-15-konforme Paletten verwenden

Unbehandelte oder nicht zertifizierte Holzpaletten führen zur Zurückweisung durch den Zoll und kostenpflichtigem Umpalettieren. Fordern Sie immer ISPM-15-Behandlung und EUR/EPAL-Standard in Ihrer Bestellung.

ICS2/ENS-Meldung vergessen

Die ENS (Entry Summary Declaration) muss vor Ankunft im ICS2-System gemeldet werden. Ein Versäumnis kann zu Bußgeldern, Kontrollen oder Verzögerungen in Antwerpen, Zeebrugge oder am Flughafen Brüssel führen.

Exportabwicklung unter EXW voraussetzen

Viele belgische Käufer gehen davon aus, dass der Lieferant bei EXW die Exportabwicklung übernimmt. Das ist jedoch nur bei ausdrücklicher Vereinbarung der Fall. Klären Sie die Verantwortlichkeiten immer schriftlich.

Anti-Dumping-Zölle nicht einkalkulieren

Für bestimmte Waren chinesischen Ursprungs gelten in der EU Anti-Dumping-Zölle – teils in erheblicher Höhe. Wer das übersieht, riskiert böse Überraschungen bei den Gesamtkosten. Nutzen Sie den Leitfaden zu Einfuhrabgaben und Steuern sowie die EU Market Access Database.

Warnhinweise beim belgischen Import
  • Fehlende EORI-Registrierung verzögert die Zollabfertigung.
  • Nicht konformes Holzverpackungsmaterial führt zu Zollrückweisung.
  • Versäumte ICS2/ENS-Meldung birgt Bußgeld- und Kontrollrisiko.
  • Bei EXW die Exportabwicklung vorauszusetzen, führt zu blockierter Ware.
  • Anti-Dumping-Zölle nicht einzuplanen, verursacht unerwartete Kosten.

Wichtig: Vermeiden Sie Belgien-spezifische Fehler – registrieren Sie EORI, achten Sie auf ISPM-15, melden Sie ENS, klären Sie Exportverantwortung und prüfen Sie Anti-Dumping-Zölle.

Fazit: EXW vs FOB für China→Belgien (Das sollten belgische Importeure beachten)

EXW und FOB sind mehr als nur Positionen im Angebot – sie regeln, wer Ihre Sendung steuert, wo das Risiko übergeht und wie reibungslos die Verzollung in Belgien läuft. Belgische Importeure sollten EORI-Registrierung, ICS2/ENS-Meldung und ISPM-15-Konformität immer vor Abfahrt der Ware aus China sicherstellen. FOB ist für die meisten Käufer die sicherere Wahl, EXW funktioniert nur mit starker Logistik vor Ort.

Prüfen Sie vor der Buchung Ihre Incoterm-Pflichten, klären Sie die Exportdokumente und informieren Sie sich über mögliche Anti-Dumping-Zölle. Für eine individuelle Kostenaufstellung nutzen Sie unseren Leitfaden zu Einfuhrabgaben und Steuern oder fordern Sie ein Belgien-Frachtangebot an. Für eine Rundum-Beratung empfehlen wir den kompletten Belgien-Versandleitfaden, Letzte-Meile-Optionen und Tipps zur Transportversicherung.

Zusammenfassung: Kennen Sie Ihren Incoterm, prüfen Sie die Compliance und wählen Sie die Klausel, die zu Ihren operativen Möglichkeiten passt – nicht nur den günstigsten Preis. Der belgische Zoll ist streng, aber mit guter Vorbereitung vermeiden Sie Verzögerungen und versteckte Kosten.

ReferenzGlossar· 29 Begriffe

Suchen Sie einen Begriff oder springen Sie nach Buchstaben.

BTW
Belasting over de Toegevoegde Waarde – die belgische Mehrwertsteuer, die auf die meisten Importwaren erhoben wird.
CE
Conformité Européenne: EU-weites Pflichtkennzeichen für Produkte im EWR. In Japan nicht anerkannt – hier gelten PSE und TELEC als eigenständige Zulassungen.
CE-Kennzeichnung
CE-Kennzeichnung. Zeigt die Einhaltung der EU-Anforderungen an Sicherheit, Gesundheit und Umwelt bei Importen nach Deutschland.
CIF
Cost, Insurance and Freight – nur für See- und Binnenschiff; Verkäufer zahlt Fracht und Mindestversicherung (meist ICC C) bis zum benannten Hafen, Käufer verzollt und zahlt Abgaben; Risikoübergang an Bord des Schiffs.
clearance
Zollabfertigung – Vorlage der Ware und Dokumente beim Zoll und Einholung der Freigabe für Ein- oder Ausfuhr; bei EXW und FOB ist entscheidend, wer die Ausfuhranmeldung übernimmt.
DAP
Delivered At Place: Verkäufer liefert bis zum benannten Ort (z.B. Lager des Käufers) und entlädt, Importabfertigung, Zoll und Verbrauchssteuer übernimmt der Käufer, IOR ist der Empfänger.
DDP
Delivered Duty Paid: Verkäufer trägt alle Kosten bis zur Tür des Käufers inkl. Abfertigung, Zoll und Verbrauchssteuer; echtes DDP heißt, der Empfänger zahlt bei Lieferung nichts mehr.
door-to-door
Service von Tür zu Tür: Der Spediteur oder Carrier organisiert die komplette Transportkette inklusive Abholung und Zustellung beim Empfänger.
EORI
Economic Operators Registration and Identification number. Obligatorisch für alle Unternehmen, die aus Nicht-EU-Ländern nach Polen importieren.
EORI-Nummer
EORI-Nummer. Notwendige Registrierungsnummer für Importeure und Exporteure zur Abfertigung von Waren beim deutschen Zoll.
EU-Lebensmittelsicherheitsverordnung
EU-Lebensmittelverordnung (EG 178/2002). Regelt die Lebensmittelsicherheit für Einfuhren nach Österreich.
EXW
Ex Works: Der Verkäufer stellt die Ware an seinem Standort bereit; der Käufer organisiert Abholung, Ausfuhr, Hauptlauf und alles Weitere. Risikoübergang am Werkstor – frühester Incoterm.
FCA
Free Carrier: Verkäufer liefert an benannten Ort (CY, CFS oder Terminal); Käufer bucht Hauptlauf und Versicherung. Risikoübergang bei Übergabe an Carrier – klarer, belegbarer Zeitpunkt. Für Container (FCL/LCL) besser als FOB; bei Luftfracht FCA oder CIP nutzen.
FCL
Full Container Load: Sie buchen einen kompletten Container (z. B. 20GP oder 40HC); nur Ihre Ware wird verladen.
FOB
Free On Board: Verkäufer liefert bis an Bord des Schiffs und erledigt Ausfuhr; Käufer organisiert Hauptlauf und Import ab Schiffsreling. Risikoübergang beim Laden aufs Schiff. Nur für Seefracht – bei Luftfracht FCA nutzen. Bei Containern ist der „On Board“-Zeitpunkt oft unklar; FCA (CY/CFS) ist transparenter.
Incoterms
Internationale Handelsklauseln: Standardregeln (EXW, FOB, CIF, DDP etc.), die festlegen, wer zahlt, wer verzollt und ab wann das Risiko übergeht.
ISPM-15
ISPM 15: Internationaler Standard für die Behandlung von Holzverpackungen (z. B. Paletten), um Schädlingsbefall zu verhindern.
last-mile
Letzter Transportabschnitt vom Hafen, Flughafen oder Lager bis zur Empfängeradresse. Zuschläge für abgelegene Gebiete oder Privatadressen möglich.
LCL
Sammelladung (LCL): Ihre Ware teilt sich den Container mit anderen Sendungen; Abrechnung pro CBM zzgl. CFS- und Handlinggebühren an beiden Enden.
Lebensmittelsicherheitsverordnung
EU-Lebensmittelsicherheitsverordnung (EG 178/2002). Legt Standards für Lebensmittelsicherheit bei Importen nach Deutschland fest.
Mehrwertsteuer
Mehrwertsteuer. Synonym für Umsatzsteuer, in Deutschland gebräuchlich.
MWST
Mehrwertsteuer – Schweizer Umsatzsteuer, die auf die meisten Importwaren erhoben wird.
PLDA
Paperless Douane & Accijnzen – das belgische elektronische System für Zoll- und Verbrauchsteueranmeldungen im Im- und Export.
port-to-port
Service from origin port to destination port only: Reiner Hauptlauf von Abgangs- zu Zielhafen; Vor- und Nachlauf müssen separat organisiert werden.
REACH
REACH-Verordnung (EG 1907/2006). EU-Regelung zur Kontrolle von Chemikalien in Produkten, die nach Portugal importiert werden.
RoHS
RoHS-Richtlinie (2011/65/EU). EU-Vorschrift, die gefährliche Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten bei Importen nach Portugal begrenzt.
THC
Terminal Handling Charge: Gebühr für das Be- und Entladen von Containern am Hafenterminal. Am Ursprung zahlt bei EXW der Käufer, bei FOB der Verkäufer; am Zielort immer der Käufer.
TVA
Taxe sur la Valeur Ajoutée: Französische Mehrwertsteuer, Standardsatz 20 %, wird bei der Einfuhr vom Zoll erhoben.
Zoll
Deutscher Zoll. Zuständig für Einfuhr-/Ausfuhrabfertigung, Zollerhebung und Einhaltung von Handelsvorschriften.